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„Wir können uns ohne Druck mit den Fällen befassen und die Kolleginnen sowie Kollegen entlasten“

Bernhard Kunkel
„Wir können uns ohne Druck mit den Fällen befassen und die Kolleginnen sowie Kollegen entlasten“
Interview mit Berthold Kunkel, Cold Cases-Unterstützungskraft des Landeskriminalamtes NRW
LKA NRW

Berthold Kunkel zählt zu den neuen Cold Cases-Unterstützungskräften beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Ebenso wie die weiteren neu eingestellten Kolleginnen und Kollegen hilft er dabei, alte Akten von ungeklärten Tötungsdelikten sowie von ungelösten Vermisstenfällen in eine digitale Datenbank einzupflegen und eine Wiederaufnahme von Ermittlungen anzustoßen, wenn dies zielführend erscheint.

Der 65-Jährige, der vor seiner Pensionierung vor drei Jahren zuletzt als Leiter des Kriminalkommissariats 11 in Gelsenkirchen tätig war, befasst sich also mit einer Thematik, die ihm durchaus bekannt ist.


Herr Kunkel, was hat Sie dazu bewogen, sich nochmals mit alten, ungelösten Fällen zu befassen?

„In meiner früheren Funktion musste ich mich viel mit Tötungsdelikten und Sexualstraftaten befassen. Das Aufkommen an aktuellen Fällen war leider nicht gering, so dass die Zeit zum Aufarbeiten alter Fälle fast völlig fehlte. Die Überlegung ,Damit befasse ich mich nochmal intensiver, wenn ich mehr Kapazitäten habe‘ kam natürlich häufiger auf. Ich bin sicher, so erging und ergeht es vielen Kripo-Beamtinnen und -Beamten beim Gedanken an ungelöste Fälle. Dass die Cold Cases-Datenbank aufgebaut werden soll, bekam ich damals schon mit und fand die Idee sehr gut. In diesem Sommer folgte die gemeinsame Bekanntmachung des Innenministeriums NRW und des LKA NRW, dass mit ehemaligen Ermittlern der Ausbau der CCD vorgetrieben und alte Fälle wieder aufgerollt werden sollen. Sowohl meine Ehefrau als auch ehemalige Kollegen kamen daraufhin auf mich zu, um mir mitzuteilen, dass ich doch geeignet dafür wäre. Also befasste ich mich intensiver mit dem Thema und entschied, dass ich mich sehr gut mit der Rolle der Cold Cases-Unterstützungskraft identifizieren kann.“


Eine ganz andere Rolle und eine ganz andere Funktion, die Sie zuvor bei der Polizei hatten – fällt Ihnen dieser Perspektivenwechsel schwer?

„Nein, denn jetzt kann ich mich ganz ohne Druck meinen Aufgaben und den mir zugeordneten Fällen widmen – also genau das machen, was in meiner vorherigen Laufbahn in dieser Form nicht möglich war. Ich bin dankbar, dass diese Idee von der Wiedereinstellung ehemaliger Ermittler unterstützt wird und nun zur Umsetzung kommt. Das entlastet die Kolleginnen und Kollegen vor Ort ungemein, da bin ich mir sehr sicher.“

Wie gestaltet sich Ihre Arbeit als Unterstützungskraft?

„Mir wurden durch die Verantwortlichen der BAO „Cold Cases“ Fälle zugewiesen. Ich lese mich in die Fälle ein, betrachte alle Aspekte intensiv und bereite das Einpflegen, sofern das noch nicht geschehen ist, in die Cold Cases-Datenbank vor. Wenn ich erkenne, dass zum Beispiel moderne, kriminaltechnische Untersuchungsmethoden zu neuen Erkenntnissen führen können, teile ich dies natürlich mit. Bisher habe ich mir zu den ersten zwei Fällen die Ermittlungsakten durchgelesen und entsprechende Gedanken beziehungsweise Notizen gemacht.“


Arbeiten Sie dabei auch mit dem Kollegium der örtlich zuständigen Kreispolizeibehörden zusammen?

„Uns sind sogenannte Fall-Paten zugeordnet, mit denen ich bereits persönlich Kontakt aufgenommen habe. Wir sprechen uns ab, was das weitere Vorgehen im jeweiligen Fall angeht. Wir selbst dürfen ja operativ nicht tätig werden. Möchten wir beispielsweise die Staatsanwaltschaft einbinden oder an Asservate kommen, schließen wir uns hierzu mit dem Fall-Paten kurz.“


Wie wurden Sie auf die neue Tätigkeit vorbereitet?

„Uns allen wurde in unserer ersten Arbeitswoche bei einem Auffrischungskurs das Vor-gehen erläutert. Es waren sehr intensive und interessante Tage, bei denen nicht nur auf die technischen Aspekte eingegangen wurde. Die Informationen waren gut zusammen-gestellt, mit der richtigen Gewichtung. Denn das Lesen von Akten ist uns allen bekannt, das strukturierte Anlegen und Pflegen der digitalen Datenbank zählte früher weniger zu unseren Aufgaben. Besonders beeindruckt waren wir von den Fortschritten rund um die kriminaltechnischen Untersuchungsmaßnahmen. Ich konnte kaum glauben, was sich alleine seit der Zeit meiner Pensionierung vor drei Jahren im Bereich der Daktyloskopie getan hat.“


Bei diesem Auffrischungskurs haben Sie die weiteren Cold Cases-Unterstützungskräfte getroffen und kennengelernt. Wie war Ihr Eindruck?

„Ein tolles Team! Jedem Einzelnen war anzumerken, wie hochmotiviert er oder sie ist. Wir haben früher in den unterschiedlichsten Städten und Sachgebieten gearbeitet. Schnell entstand somit ein reger Austausch. Jeder bringt wertvolle Erfahrungen mit und ist bereit, der Bezeichnung ,Unterstützungskraft‘ gerecht zu werden.“

 


(Das Interview führte Maren Menke, Pressesprecherin des LKA NRW.)

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